Einheit im Schein


"Du bist Deutschland" als Ausdruck der bürgerlichen Einheitsidee von Nation und Volk. Objektiv getrennte Menschen (ArbeiterInnen+ KapitalistInnen) werden künstlich vereinigt. Der Schein der Zusammengehörigkeit ist Legitimationsgrundlage des bürgerlichen Staates sowie Blende gegen die Einsicht in die tatsächlichen Trennungen.

Instrumentelles Verhältnis zu den Massen

1.
Träume brauchen Sicherheit



Das Sicherheitsbedürfnis der Menschen als Absatzchance. Dabei geht es nicht prinzipiell um das Wohlergehen und die tatsächliche Sicherheit der "Versicherten" sondern um den Verkauf von Verträgen. Instrumentelles Verhältnis zu den Massen, die in einerUnsicherheit lebt, die zwar in der Realität gegründet ist, die aber nicht mit einer Was-Weiß-Ich-Versicherung aufzuheben wäre, sondern durch die Produktionsverhältnisse selbst produziert ist.

2.
Hartes Durchgreifen für Ihre Sicherheit
(CDU)

Das Sicherheitsbedürfnis der Menschen als Wahlkampfthema. Auch hier geht es ums gewählt werden. Auch hier wird sich instrumentell auf die Massen und ihr Bedürfnis bezogen. Denn in Massen sollen sie wählen.

Erfahrungsangebot


Die Möglichkeiten, die der Kapitalismus eröffnet sind sehr begrenzt. Symbolisch dafür das Google-Suchergebnis für "deine Möglichkeiten". Nicht nur, dass der Kapitalismus nicht im Stande ist, Bedürfnisse zu befriedigen, er verhindert auch schon allein Vorstellungen/Wünsche von etwas außerhalb des Systems liegenden. Deine Möglichkeiten im Kapitalismus werden so zu deinen Möglichkeiten überhaupt.

Fetischistisches Bewusstsein


"Das Geheimnisvolle der Warenform besteht also einfach darin, daß sie den Menschen die gesellschaftlichen Charaktere ihrer eignen Arbeit als gegenständliche Charaktere der Arbeitsprodukte selbst, als gesellschaftliche Natureigenschaften dieser Dinge zurückspiegelt, daher auch das gesellschaftliche Verhältnis der Produzenten zur Gesamtarbeit als ein außer ihnen existierendes gesellschaftliches Verhältnis von Gegenständen. Durch dies Quidproquo werden die Arbeitsprodukte Waren, sinnlich übersinnliche oder gesellschaftliche Dinge. So stellt sich der Lichteindruck eines Dings auf den Sehnerv nicht als subjektiver Reiz des Sehnervs selbst, sondern als gegenständliche Form eines Dings außerhalb des Auges dar. Aber beim Sehen wird wirklich Licht von einem Ding, dem äußeren Gegenstand, auf ein andres Ding, das Auge, geworfen. Es ist ein physisches Verhältnis zwischen physischen Dingen. Dagegen hat die Warenform und das Wertverhältnis der Arbeitsprodukte, worin sie sich darstellt, mit ihrer physischen Natur und den daraus entspringenden dinglichen Beziehungen absolut nichts zu schaffen. Es ist nur das bestimmte gesellschaftliche Verhältnis der Menschen selbst, welches hier für sie die phantasmagorische Form eines Verhältnisses von Dingen annimmt. Um daher eine Analogie zu finden, müssen wir in die Nebelregion der religiösen Welt flüchten. Hier scheinen die Produkte des menschlichen Kopfes mit eignem Leben begabte, untereinander und mit den Menschen in Verhältnis stehende selbständige Gestalten. So in der Warenwelt die Produkte der menschlichen Hand. Dies nenne ich den Fetischismus, der den Arbeitsprodukten anklebt, sobald sie als Waren produziert werden, und der daher von der Warenproduktion unzertrennlich ist" (MEW 23: 86f).

Im ersten Band des "Kapital" (MEW 23) beschreibt Karl Marx die kapitalistische Produktionsweise. Dabei beginnt er mit der Basiskategorie: der Ware. Im vierten Abschnitt dieses Kapitel "Ware und Geld" kommt er zur Erläuterung des Fetischcharakters der Ware. Der Warenfetisch sorgt dafür, dass die Menschen ihre zwischenmenschlichen Beziehungen als Beziehungen von Dingen und die Beziehung von Dingen als soziale sehen. Die Dinge bekommen ein "natürliches" Leben. Z.b. scheint der Wert eine Eigenschaft von einem Ding zu sein und nicht etwas, das durch die gesellschaftliche bestimmte Form der Produktion -WARENproduktion- erst vom Menschen geschaffen wurde. Der Fetisch kann so gesehen als ein Schleier betrachtet werden, der die Sicht der Gesellschaft verkehrt. Die den Wert schaffenden ArbeiterInnen werden zum scheinbaren "Objekt"(Arbeitskraft), die für das "Subjekt" Ware produzieren. Die WarenproduzentInnen werden von ihren Produkten beherrscht:

„Ihre eigne gesellschaftliche Bewegung besitzt für sie die Form einer Bewegung von Sachen, unter deren Kontrolle sie stehen, anstatt sie zu kontrollieren” (MEW 23, 89).

Marx bezeichnet den Warenfetischismus deshalb auch als scheinbare Vertauschung von Subjekt und Objekt, als "Quid pro quo". Durch die weiteren Entwicklungsstufen der Warenform, das Geld und das Kapital, wird diese Verkehrung noch verstärkt. Das Kapital z.B. scheint sich wie von selbst zu vermehren. ("Geld arbeitet")

Produktivkraftentwicklung


"Die Produktivkraft der Arbeit ist durch mannigfache Umstände bestimmt, unter anderem durch den Durchschnittsgrad des Geschickes der Arbeiter, die Entwicklungsstufe der Wissenschaft und ihrer technologischen Anwendbarkeit, die gesellschaftliche Kombination des Produktionsprozesses, den Umfang und die Wirkungsfähigkeit der Produktionsmittel, und durch Naturverhältnisse" (MEW 23: 54).

Der Stand der Produktivkräfte wird im Kapitalismus jedoch von den Produktionsverhältnissen (z.B. Eigentums- und Machtverhältnisse) gefesselt und ausschließlich zur Kapitalakkumulation nutzbar gemacht. So kommen auch Verhältnisse zu Stande, die Adorno und Horkheimer folgerndermaßen beschreiben:

"Der Gedanke des »Ausschöpfens« gegebener technischer Möglichkeiten, der Vollausnutzung von Kapazitäten für ästhetischen Massenkonsum gehört dem ökonomischen System an, das die Ausnutzung der Kapazitäten verweigert, wo es um die Abschaffung des Hungers geht" (GS 3: 161).

U.a. in "Die deutsche Ideologie" (v.a. S. 17-77) beschreiben Marx und Engels das Verhältnis von Produktivkräften und gesellschaftlicher Entwicklung.

Inhalt der Phantasie


Verschwörungstheorien (z.B. die der "ZOG" oder der jüdisch dominierten, die Welt beherrschenden amerikanischen Ostküste) als Phantasieprodukte. In antisemitischer Logik wird die Zirkulationssphäre personalisiert, vom Produktionsprozess gelöst und als "der Kapitalismus" schlechthin ausgemacht. So sind für alles Übel, das der Kapitalismus mit sich bringt wahlweise die Juden, die Hedgefonds (Heuschrecken) oder einzelne Politiker verantwortlich zu machen. Letzte Konsequenz dieser Aufspaltung des Kapitalismus, der Verkürzung der Kritik auf die Zirkulationssphäre, und der Zuschreibung der Verantwortung an im Hintergrund die Fäden ziehende Personen (-gruppen) ohne Bindung an Land und Volk ist deren Vernichtung.
Tatsächliche Verhältnisse (die elendigen Bedingungen im Kapitalismus) werden mit Phantasien erklärt. Der potentiell systemtranszendierende Prozess endet im Wahn.

Zum Zusammenhang von verkürzter Kapitalismuskritik, Nationalsozialismus und Antisemitismus: Postone, Moishe: Nationalsozialismus und Antisemitismus


Orginalassoziation:


Religion als ein Produkt von Phantasie. Die Schöpfungsgeschichte als Inbegriff der Welterklärung zu einem Zeitpunkt zu dem man noch keine andere Antworten auf die Fragen nach den Naturabläufen hatte. Der Inhalt einer solchen Phantasie sieht die realen Zusammenhänge nicht.

Angesichts der Ergänzung zu der Malerei von Pia Lux und der vorkapitalistischen Aktualität dieser Phantasie schien mir das Bild nicht mehr sehr passend.



Industrie


Das Geltungsbedürfnis von Individuen kann im Kapitalismus (Konkurrenz, Verdinglichung, Anonymisierung,...) nicht befriedigt werden, wäre kontraproduktiv. Die Industrie nutzt dieses Bedürfnis unter dem Versprechen seiner Befriedigung für ihre Zwecke. DSDS bietet den Schein aus der Masse herauszufallen und Individuum, keine Nummer sein zu können.
Da der Kapitalismus dieses Bedürfnis nicht befriedigen kann, liegt der Phantasie, die es ausdrückt auch das Potential inne das System zu transzendieren.

Verblendung

"Freiheiiiiiiiiiiiiiit!"

Quelle:
Internetauftritt von Reload your Mind - Delete the System. Teil des Motivs "Individualität"



Trotz scheinbar matreiell freier Situation (Freeclimbing) bleibt der Mensch Zwängen unterworfen, die für ihn auch im Alltag nicht sichtbar sind. Die Fokussierung auf materiellen "Wohlstand" zeigt aber gerade dort eine verblendende Wirkung. Sie hält einerseits den Glauben an "Geld/Besitz macht glücklich" (damit auch an das nicht einlösbare Versprechen auf die Erfüllung von Bedürfnissen INNERHALB des Kapitalismus) in immer subtileren Formen aufrecht und reproduziert andererseits die grundsätzliche Vorstellung, dass Dinge wichtig sind, Konkurrenz naturbedingt ist und das System nur unterdrückend ist für die, die scheinbar die Verlierer sind (Arbeiter, Arme, Arbeitslose) nicht aber für die "da oben". Dabei kann nicht gesehen werden, dass die Herrschenden auch vom System beherrscht werden (vgl. Adorno: GS 8, 325).

Loslösung


In der Projektion von Revolutioärem Potential in einen gewöhnlichen Arbeitskampf entfernt sich diese "revolutionäre" Gruppe von der Realität der (nicht) Arbeitenden. Ist für diese die Lohnerhöhung entscheidend und motivierend und liegt die einzige Radikalität in der Härte der Auseinandersetzung sowie der Höhe der Forderung, so wittern die "Revolutionäre" bereits den Aufstand gegens Ganze. Ein Beispiel für den "bürgerliche[n] Reflex, sie [die Radikalität] nach oben, zu den Ideen, Plattformen [in diesem Fall die "revolutionäre" Organisation, Anm. A.M.] , Autoritäten hin, zu verarbeiten" (Kluge/Negt 1973: 87). In diesem Reflex wird dem Streik sein emanzipatorisches Potential (er verweist immerhin auf den Klassenwiderspruch) genommen.

Abstraktion


Im Fall der kritischen Analyse des gesellschaftlichen Zusammenhangs ist es gerade die Loslösung vom subjektiv wahrnbehmbaren, die es erlaubt die verborgenen, fetischistischen Herrschaftsverhältnisse offenzulegen. Die Loslösung von Raum und Zeit ist notwendige Voraussetztung zu Analyse und Erkenntnis. Kritische Erkenntnis ist auch zugleich Voraussetzung für Bewusstsein und Emanzipation. "Das Kapital" als Beispiel für ein solches Potential.

Ergebnis

Ergebnis verkehrtem Ausdrucks

Das Resultat des zu Geltung kommenden Ausdrucksbedürfnisses in Rostock-Lichtenhagen war nur durch bloßen Zufall nicht tödlich.
Die Pogrome gegen "Asylbewerberheime" zu Beginn der 90er Jahre, allen voran der von Rostock-Lichtenhagen (hunderte Anwohner applaudierten dem drei Tage lang wütenden braunen Mob und legten selbst Hand an) als Ausdruck der Frustration angesichts der eigenen Lage, der Wirkmächtigkeit von Ideologien (verkehrten Bewusstseinsformen) wie der des Rassismus und Nationalismus. Rostock-Lichtenhagen als beispiel für die Gefahr, die von einem ungehinderten Ausleben des Ausdrucksbedürfnisses unter den aktuellen Bedingungen ausgeht. Die verblendete Masse hat gerade in Deutschland schon des öfteren in der Geschichte mörderische Formen gefunden sich auszudrücken.
So lange verkehrtes Bewusstsein und Kapitalismus (und Deutschtum) diese Gesellschaft prägen ist es positiv zu sehen, dass, wenn auch nur sporadisch und bürgerlich, ein solcher Ausdruck verkehrten Bewusstseins verhindert wird.


Formen


"Spende gefällig?", "Zickenbändiger", "Frauen gehören an den Herd" sind materieller Ausdruck realer Erfahrungen; Vergewaltigungen und andere sexistische Übergriffe reale Erfahrungen verkehrter Ausdrucksbedürfnisse.

Einseitigkeit der Kommunikation


Das in der Kommunikationswissenschaft vorherrschende Kommunikationsmodell (Sender/Kommunikator, Botschaft/Code, Empfänger/Rezipient) verdeutlicht den Ausschluss von Reziprozität d.h. direkter Kommunikation. Die Richtung des "Sendens" ist immer einseitig. Zur ausführlichen Kritik daran: Jean Boudrillard (1972): Requiem für die Medien.

„Nicht als Vehikel eines Inhalts, sondern durch die Form und Operation selbst induzieren die Medien ein gesellschaftliches Verhältnis, und dieses Verhältnis ist keines der Ausbeutung, sondern ein Verhältnis der Abstraktheit, der Abtrennung und Abschaffung des Tauschs. [...] Die Massenmedien sind dadurch charakterisiert, [...] daß sie Nicht-Kommunikation fabrizieren. [...] Die Medien sind dasjenige, welche Antwort für immer untersagt [...]. Darin liegt ihre Abstraktheit. Und in dieser Abstraktheit gründet das System der sozialen Kontrolle und der Macht“ (Baudrillard 1972: 283f.).

Im klassischen Kommunikationsmodell von Sender - Botschaft - Empfänger drückt sich „ein bestimmter Typ von gesellschaftlichem Verhältnis“ (Ebd.: 292) aus. Die Distanz der beiden künstlich getrennten Terme Sender und Empfänger wird ausgeglichen „durch den vollen und verselbstständigten ‚Wert’ der Botschaft (tatsächlich also durch ihren Tauschwert)“ (Ebd.: 292). So wird die Beziehung der Menschen untereinander, durch die Botschaft vermittelt, zu der sie sich als Einzelne beziehen.
Schon die Formel von Kommunikation „als bloße(n) Sendung/Empfang einer Information [..., die] wie in einem verkleinerten Modell einen perfekten Aufriß des gesellschaftlichen Tauschs“ (Baudrillard 1972: 284, 293) gibt, ist die Reproduktion des Bestehenden. Es ist die Form der Medien, „die sie, in welchen Kontexten auch immer, unausweichlich mit dem Machtsystem solidarisiert“ (Baudrillard 1972: 287).

Projektion


Das A-Team als Projektionsmöglichkeit. Viel Action, Abenteuer, echte Teamarbeit und Rebellion. So ziemlich alles, was einem proletarischen Alltag fehlt - und fehlen bleiben wird solange das Proletariat sich nicht selbst aufhebt.

Geheul für de Sade


Die ‘materielle Seite’ des Films ist lediglich von Tonbandaufnahmen getragen und von der leeren Leinwand, die während der fragmenthaften Vorführung eines ca. 20 minütigen, auf Tonband aufgezeichneten Dialoges weiß, und in den diese unterbrechenden, sich insgesamt zu einer Stunde addierenden Pausen ganz schwarz bleibt – und somit auch den Kinosaal „während dieser Zeitspanne des Schweigens“ (die 30 Sekunden, einigen Minuten, in der Schlußszene gar ganze 24 Minuten dauert) in völliger Dunkelheit ließ. Durch die Kombination von Textfragmenten auf der Tonspur mit der leeren, partiell schwarzen Leinwand im dunklen Raum wurden zugleich ein abstraktes, selbstreflexives und ein sehr konkretes Moment eingeführt. Der Text bestand aus Gesprächsfetzen, gängigen Phrasen, Gesetzestexten oder z.B. Erinnerungen an die LettristInnen.
»Geheul für Sade« als Film/Situation löst sich von jeglicher Form der filmischen Repräsentation und führt statt dessen die filmische Apparatur, das Dispositiv und den Prozeß der filmischen Darbietung und Wahrnehmung (in seiner Negation) selbst vor. Debords ‘Antikonzept’ eines Films war als filmisches Produkt überhaupt nicht mehr existent, es konstituierte sich erst mit und ausschließlich während seiner Vorführung. Das Publikum hatte bei der Vorführung am 30.5.1952 im Pariser ‚Kinoklub der Avantgard‘ somit Gelegenheit zur Antwort (die sich in lautstarkem Protest äußerte) oder zu anderen Aktivitäten in der konkreten Situation. Der Zuschauer wurde auf den aktuellen Präsentationskontext, den Vorgang seiner Konstitution in der Zeit, die als Realzeit wahrgenommen wird, und letztlich auf sich selbst zurückgeworfen. Abstraktion schlägt hier um in Selbstrepräsentation, an die Stelle der Repräsentation tritt die Wirklichkeit selbst.

Ein solcher Anti-Film wirkt nicht durch den kritischen Inhalt (wie z.B. das Verlesen eines Manifestes) sondern, durch die Herstellung eines Bruchs mit dem Medium und der unmittelbaren verbindung der menschen mit der Situation in der sie sich tatsächlich befinden. Dieser Bruch eröffnet Raum zur Reflexion und Kritik der Situation, ist jedoch keine Kritik der Situation selbst, keine Revolution. Debord betont dies immer wieder. Es geht den Situationisten um eine Ent-Täuschung im doppelten Sinne: Nicht nur die täuschenden und getäuschten Vorstellungen durch den falschen Schein, den die herrschenden Öffentlichkeiten (bei Debord ist es das "Spektakel"), wirkmächtig präsentiert und aufrechterhält, sondern auch jene Vorstellungen zur Überwindung des herrschenden Zustands, die illusionär, unzugänglich und in den systemimmanenten Formen verhaften bleiben.

Mehr zu Debord und der Situationistischen Internationale (SI):
  • Baumeister, Biene und Negator, Zwi (2005): Situationistische Revolutionstheorie. Vol. I und II. Schmetterling Verlag. www.theorie.org (sehr empfehlenswerte Einführung)
  • Debord, Guy: "Die Gesellschaft des Spektakels", eine der zentralsten Schriften der SI
  • alle Texte der SI (englisch), Auswahl (deutsch)


Scheinwerfer werfen!


Der vor die Füße Trumans herabstürtzende Scheinwerfer ist die Initialzündung für die Hinterfragung seiner alltäglichen Welt. Diese Erfahrung macht Truman zum Kritiker, lässt ihn bereits die Konstruiertheit seiner als selbstverständlich hingenommenen Lebenswelt erahnen. Dies können Medien erreichen; Eine Erfahrung, die nicht denen der scheinbaren und von den herrschenden Öffentlichkeiten dargestellten Wirklichkeit entspricht.

Abstrakte Arbeit



"Wie Rock und Leinwand qualitativ verschiedne Gebrauchswerte, so sind die ihr Dasein vermittelnden Arbeiten qualitativ verschieden - Schneiderei und Weberei. Wären jene Dinge nicht qualitativ verschiedne Gebrauchswerte und daher Produkte qualitativ verschiedner nützlicher Arbeiten, so könnten sie sich überhaupt nicht als Waren gegenübertreten. Rock tauscht sich nicht aus gegen Rock, derselbe Gebrauchswert nicht gegen denselben Gebrauchswert. [...] Der Wert der Ware aber stellt menschliche Arbeit schlechthin dar, Verausgabung menschlicher Arbeit überhaupt. [...] Wie also in den Werten Rock und Leinwand von dem Unterschied ihrer Gebrauchswerte abstrahiert ist, so in den Arbeiten, die sich in diesen Werten darstellen, von dem Unterschied ihrer nützlichen Formen, der Schneiderei und Weberei. Wie die Gebrauchswerte Rock und Leinwand Verbindungen zweckbestimmter, produktiver Tätigkeiten mit Tuch und Garn sind, die Werte Rock und Leinwand dagegen bloße gleichartige Arbeitsgallerten, so gelten auch die in diesen Werten enthaltenen Arbeiten nicht durch ihr produktives Verhalten zu Tuch und Garn, sondern nur als Verausgabungen menschlicher Arbeitskraft. Bildungselemente der Gebrauchswerte Rock und Leinwand sind Schneiderei und Weberei eben durch ihre verschiednen Qualitäten; Substanz des Rockwerts und Leinwandwerts sind sie nur, soweit von ihrer besondren Qualität abstrahiert und beide gleiche Qualität besitzen, die Qualität menschlicher Arbeit" (MEW 23: 56-60).

Tote Arbeit


Nicht nur Fließbandarbeit oder Handwerk sind tote Arbeit. Tote Arbeit ist diejenige, welche wertschaffend ist, welche dem Zwecke der Mehrwertproduktion dient - unabhängig von Leid und Lust der sie verrichtenden ArbeiterInnen.

"Von dem Augenblicke, wo er in die Werkstätte des Kapitalisten trat, gehörte der Gebrauchswert seiner Arbeitskraft, also ihr Gebrauch, die Arbeit, dem Kapitalisten. Der Kapitalist hat durch den Kauf der Arbeitskraft die Arbeit selbst als lebendigen Gärungsstoff den toten ihm gleichfalls gehörigen Bildungselementen des Produkts einverleibt. Von seinem Standpunkt ist der Arbeitsprozeß nur die Konsumtion der von ihm gekauften Ware Arbeitskraft, die er jedoch nur konsumieren kann, indem er ihr Produktionsmittel zusetzt. Der Arbeitsprozeß ist ein Prozeß zwischen Dingen, die der Kapitalist gekauft hat, zwischen ihm gehörigen Dingen. Das Produkt dieses Prozesses gehört ihm daher ganz ebensosehr als das Produkt des Gärungsprozesses in seinem Weinkeller" (MEW 23: 200).

„Indem der Kapitalist Geld in Waren verwandelt, die als Stoffbildner eines neuen Produkts oder als Faktoren des Arbeitsprozesses dienen, indem er ihrer toten Gegenständlichkeit lebendige Arbeitskraft einverleibt, verwandelt er Wert, vergangne, vergegenständlichte, tote Arbeit in Kapital, sich selbst verwertenden Wert, ein beseeltes Ungeheuer, das zu "arbeiten" beginnt, als hätt' es Lieb' im Leibe“ (MEW 23: 209).

Versagen der Balance-Ökonomie


"Als Karōshi (jap. 過労死, Über-Arbeiten-Tod = Tod durch Überarbeiten) bezeichnet man in Japan einen plötzlichen berufsbezogenen Tod. Todesursache ist meist ein durch Stress ausgelöster Herzinfarkt oder Schlaganfall. [...] Als Ursache für die Karōshi-Fälle gilt der rasante wirtschaftliche Aufstieg Japans nach dem Zweiten Weltkrieg. Mittlerweile ist anerkannt, dass Arbeitnehmer nicht über Jahre hinweg sechs bis sieben Tage pro Woche mehr als zwölf Stunden täglich arbeiten können, ohne körperlich und geistig darunter zu leiden ..." (Wikipedia 2008).